1. Juni 2026: Vierter Bericht zum Busunfall
Heute morgen hat mich Dr. Kronenberg angerufen und über die aktuelle Situation informiert. Deshalb hier das Foto der Unterarmwunde.
Die Haut ist teilweise bis auf die Knochen weg. Es ist nicht klar, was die Ärzte in Ikonda gemacht haben – bei der Ankunft in Ilembula war die Wunde z.T. eitrig und musste erst einmal desinfiziert werden.
Heilung ist aber nur möglich über Hauttransplantationen!
Zum Glück ist dafür das Krankenhaus Ilembula mit Dr. Kronenberg die beste Adresse – denn zweimal im Jahr kommt eine Gruppe von Interplast-Ärzten nach Ilembula und Matema, um u.a. Feuerkinder zu operieren!
Siehe dazu diesen Beitrag: Interplast-Ärzte operieren in Ilembula
Das für Violeth Mwinuka notwendige Spezial-Werkzeug wird gerade vom Krankenhaus Matema nach Ilembula geschafft.
31. Mai 2026: Dritter Bericht zum Busunfall
Am Donnerstag sollten die Wunden weiter behandelt werden und so sah sie am Abend aus:
Nach Rücksprache mit Dr. Kronenberg beschloß Mpimbi, seine Frau am Freitag nach Ilembula zu bringen.
Ich habe ihm für die Begleichung von Krankenhaus- und Arztrechnungen nochmals Geld überwiesen und ihm „verboten“, seine Frau mit dem Motorrad nach Ilembula zu transportieren. Der Kassenwart Elai Mgongolwa hat sie dann auch mit dem Toyota Noah der Gemeinde abgeholt.
Dr Kronenberg meinte dann, sie könnte auch zu Hause bleiben und ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Er schickte mir dann ein Foto von der riesengroßen Hautabschürfung am Unterarm, das ich nicht veröffentlichen mag. Sie bekommt jetzt jeden Tag Antibiotika und Schmerzmittel, bis die Wunde vernäht werden kann.
27. Mai 2026: Zweiter Bericht zum Busunfall
Die Diözese hat District Pastor Mpimbi vom Dienst beurlaubt und so kann er seit dem 17. Mai bei seiner Frau sein. Mit seinen Eltern konnte er noch Zimmer in einem Gästehaus in Ikonda bekommen und so können sie sich um Violeth kümmern.
Es geht ihr langsam besser, sie bekommt Schmerzmittel und kann gut schlafen. Eine Verlegung nach Ilembula haben die Ärzte abgelehnt, so lange die große Wunde nicht genäht ist.
Am Montag sollte sie am Arm operiert werden, aber dann hat sich herausgestellt, dass das nicht nötig ist. Aber sie soll noch bis zum Wochenende in Ikonda bleiben.
Am Nachmittag hat Mpimbi mir dann neue Fotos geschickt:
Mpimbi hat mir dann auch seine Gesamtkosten für 14 Tage genannt:
1. At Hospital the coast is Tsh 540,000
2. Doctor and medicine is Tsh. 976,000
3. Addition coast and meals is Tsh 785,500
Zusammen sind das Tsh 2.301.500 = € 800. Nicht berücksichtigt hat er die Kosten für die Übernachtungen im Gästehaus, die ich auf etwa 200 € schätze.
In meinem ersten Bericht hatte ich geschrieben, dass wir auch den anderen Lehrer*innen aus Ilembula helfen wollten – in Abstimmung mit Mpimbi.
Im Hinblick auf die bisherigen Spendeneingänge wird das leider nicht möglich sein.
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Für den 16./17. Mai hatte die Schulverwaltung des Wanging’ombe Distrikts ein Wochenende mit Freundschaftsspielen für 56 Sportlehrer*innen von Grund- und Oberschulen aus der Region Ilembula in dem etwa 130 km entfernte Makete in den Bergen des südwestlichen Hochlands organisiert. Mit dabei waren 12 Lehrer*innen von der Ilembula Secondary School, unter ihnen auch Viloeth Mwinuka, die Frau des Dekans von Ilembula, Saul Mpimbi. Vor 2 Jahren hatten Beide uns in Haar besucht.
(Foto: Jojona-CC BY-SA 3.0)
Der Unfall ereignete sich um 9:40 Uhr in der Nähe des Ikonda-Krankenhauses. Der Busfahrer schaltete alle Lichter des Busses ein, um der Verkehrspolizei zu signalisieren, dass der Bus Probleme mit den Bremsen habe. Die Verkehrspolizei alarmierte sofort den Rettungsdienst in Ikonda und weitere Fahrzeuge, um den Bus abzusichern, da sie wussten, dass es zu Problemen kommen würde. Tatsächlich kam es innerhalb von zwei Minuten zu der Katastrophe: der Bus kam von der Fahrbahn ab, fiel auf die linke Seite, es gab einen heftigen Stromschlag und er rutschte weiter. Der Rettungswagen und die anderen Fahrzeuge trafen wenige Minuten später ein, um den Verletzten zu helfen.
Violeth Mwinuka sass auf der linken Seite des Busses am Fenster und die anderen auf ihrer Seite fielen auf sie.
13 schwerer Verletzte wurden in das nahegelegene große katholische Krankenhaus Ikonda (Dr. Kronenberg: „das beste in der Gegend!“) gebracht, 15 leichter Verletzte wurden in das Krankenhaus von Njombe gebracht.
Violeth und drei weitere Lehrer wurden mit dem Motorrad (!) zum Krankenhaus transportiert!
Gegen Mittag wurde Dekan Mpimbi von dem Unfall informiert und um 13:22 schrieb er mir: „I have bad news to you. Vaileth Mwinuka has got an bad accident at Makete. She is not good at all.“
Erst 3 Tage hat Mpimbi mir berichtet, wie er wirklich informiert wurde: Derjenige, der mich über den Unfall informierte, war einer der Lehrer, die im Bus saßen. Er sagte mir: „Wir hatten einen Unfall, es sieht so aus, als wären Ihre Frau und andere Lehrerinnen ums Leben gekommen.“ Ich wollte am liebsten sofort sterben, aber ich sagte mir: „Die Person, die gestorben sein soll, soll mich gehen lassen, damit ich es mit eigenen Augen sehen kann.“
Er fuhr sofort mit dem Motorrad nach Makete – doch die Fahrt dorthin dauert etwa 2 1/2 bis 3 Stunden!
Als wir ankamen, stellte sich heraus, dass die Information völlig falsch war. Wir sahen nur Verletzte, keine Toten. Da sagte ich: „Es ist unglaublich, dass es auf dieser Welt solche Menschen gibt, die falsche und irreführende Informationen verbreiten können.“
Am Abend sandte Mpimbi mir dann die ersten Fotos von seiner Frau. Es zeigt eine große Wunde am Kopf und Ohr und der linke Arm ist gebrochen. Aber sie lebt, kann sprechen und es geht ihr den Umständen entsprechend. Noch am Abend habe ich Mpimbi über XOOM Geld für seine ersten Ausgaben überwiesen.
Am Sonntag schickte Mpimbi mir dann die Fotos vom Unfallort und ich war im ständigen Austausch mit ihm über Whatsapp.
Ein Besonderheit der tansanischen Krankenhäuser ist, dass viele keine Verpflegung für die Patienten übernehmen – das müssen Angehörige organisieren. Zum Glück konnten die Eltern von Mpimbi nach Ikonda kommen, ein Zimmer in einem Gästehaus bekommen und versorgen ihre Schwiegertochter.
Am Montag besuchten acht gute Freunde aus Ilembula Violeth am Krankenbett, u.a. Bryceson und Asifiwe Mbilinyi, Schatzmeister Elai Mgongolwa, Pfarrerin Coletha Mjonwa und Pfarrer Chapaulinge, der Religionsunterricht an der Ilembula Secondary gibt.
Und ich konnte mit ihr sprechen – aber ihre Stimme klang noch ziemlich jämmerlich. Sie wird mindestens noch bis Ende der Woche in Ikonda bleiben müssen. Ihr seht, wie eng es in dem Zimmer ist – ich habe Mpimbi vorgeschlagen, dass Violeth ein Einzelzimmer bekommen soll.
Ich hoffe, dass Violeth auch in den nächsten Tagen noch viel Besuch aus Ilembula bekommt und dass es ihr bald besser geht – auch wenn die Wunden nicht so schnell verheilen werden.
Der Unfall ist eine organisatorische und finanzielle Belastung für die Familie mit den beiden Kindern Priscilla (7) und Prosper (3). Mwinuka hat als Lehrerin zwar eine Krankenversicherung, aber die deckt nur einen Teil der medizinischen Kosten ab. Die Kosten für das Bett, der Aufwand für die betreuenden Eltern und vieles mehr müssen sie selbst tragen.
Bisher haben wir wenig über die anderen verletzten Lehrer*innen erfahren. Wir möchten aber auch diesen helfen, vor allem den 3 Lehrerinnen und 9 Lehrern aus Ilembula.
Wenn ihr euch an der Unterstützung der Unfallopfer beteiligen wollt:
das Spendenkonto von HA-ILE ist: IBAN DE85 7025 0150 0028 9315 82 Verwendungszweck „Unfallhilfe“
Jochen Döring









